Jesus steht in der Tür

Zwischen Staunen und Verstehen

Jürgen Ferrary
21. April 2026

Nach seiner Auferstehung erschien Jesus zuerst seinen engsten Freunden: Maria Magdalena und den Frauen am Grab, Petrus, den Jüngern auf dem Weg nach Emmaus, den Fischern am See und schließlich vielen anderen. Das wirkt fast selbstverständlich, wenn man bedenkt, wie unfassbar dieses Ereignis war. Hätten die Menschen nur davon gehört, aber es nicht selbst gesehen, hätte es ihnen wohl kaum jemand geglaubt.

Jesus blieb nicht auf Distanz. Er sprach mit ihnen, aß und trank mit ihnen. Sie erlebten echte Gemeinschaft, und Thomas durfte sogar seine Wunden berühren. Im ersten Korintherbrief wird berichtet, dass mehr als 500 Menschen den auferstandenen Jesus gesehen haben. Das macht deutlich: Es ging nicht um ein Gefühl oder eine Einbildung, sondern um eine reale Begegnung.

Vierzig Tage lang war Jesus nach seiner Auferstehung bei ihnen, bevor er zum Vater zurückkehrte – an dem Tag, den wir heute Himmelfahrt nennen. Diese Zeit wirkt fast wie eine Brücke zwischen zwei Welten. Eine Zeit, in der das Unfassbare langsam begreifbar werden sollte.

Warum blieb Jesus so lange? Vielleicht, weil die Menschen Zeit brauchten, um zu verarbeiten, was geschehen war. Die Auferstehung sprengt jede Vorstellungskraft. Sie passt nicht in unsere gewohnten Denkmuster. Die Freunde Jesu mussten lernen, Schritt für Schritt zu verstehen, was das für sie bedeutet.

Und wenn wir ehrlich sind: Uns geht es nicht anders. Wenn du neu im Glauben bist, liest du diese Berichte vielleicht mit Staunen – oder auch mit Skepsis. Wenn du schon lange glaubst, besteht die Gefahr, dass du dich daran gewöhnt hast und die Kraft dieser Wahrheit nicht mehr wirklich an dich heranlässt.

Die ersten Jünger kannten ebenfalls Zweifel, Angst und Verwirrung. Ihr Verständnis wuchs nicht auf einmal, sondern nach und nach. Doch eine Sache wurde immer klarer: Mit der Auferstehung hat Jesus nicht nur den Tod besiegt. Er hat auch die Trennung zwischen Gott und Mensch überwunden.

Was im Garten Eden zerbrochen ist, wird am Kreuz und durch die Auferstehung nicht einfach repariert – es wird neu geschaffen. Die Barriere zwischen Gott und uns wird nicht nur dünner, sie wird beseitigt. Gott kommt uns nahe und zieht uns zu sich.

Das ist mehr als Vergebung. Es ist ein neues Leben.

Der Apostel Paulus bringt es so auf den Punkt: „Denn der Lohn der Sünde ist der Tod; aber das Geschenk, das Gott uns in seiner Gnade macht, ist das ewige Leben in Jesus Christus, unserem Herrn“ (Römer 6,23). Hier stehen sich zwei Realitäten gegenüber: das, was wir verdienen, und das, was Gott uns schenkt. Lohn ist etwas, das wir uns erarbeiten. Ein Geschenk dagegen können wir nur annehmen.

Und genau hier beginnt das Leben mit Gott. Nicht im Leisten, sondern im Empfangen. Nicht in unserer Stärke, sondern in seiner Gnade. Vielleicht brauchen wir – genau wie die Jünger damals – Zeit, um das wirklich zu begreifen. Vielleicht sind es keine 40 Tage, aber ein Prozess, in dem unser Herz nach und nach versteht, was unser Verstand kaum fassen kann.

Was würde sich in deinem Leben verändern, wenn du dieses Geschenk wirklich annimmst? Wenn du glaubst, dass der Tod nicht nur besiegt ist, sondern jeden Anspruch auf dich verloren hat? Vielleicht ist heute ein guter Moment, genau darüber nachzudenken. Nicht oberflächlich, sondern ehrlich. Nicht schnell, sondern bewusst.

„Denn er hat uns aus der Gewalt der Finsternis befreit und hat uns in das Reich versetzt, in dem sein geliebter Sohn regiert. Durch ihn, Jesus Christus, sind wir erlöst; durch ihn sind uns unsere Sünden vergeben (Kolosser 1,13-14).

Zwischen Verstehen und Staunen wächst echter Glaube.

Sei gesegnet!

„Das Leben wird vorwärts gelebt und rückwärts verstanden“ (Søren Kierkegaard).

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